John le Carré: Empfindliche Wahrheit

Empfindliche Wahrheit begint wie die meisten Romane von John le Carré eher langsam. Man weiß nicht so recht, wie sich das Buch entwickeln wird. Es wird sich schon irgendwie um Spionage handeln — schließlich ist es ein Carré. Wer das Buch noch nicht kennt, sollte vorab wissen, es lohnt sich zu lesen.

Hier sollte man nicht weiterlesen, wenn man sich überraschen will.

Achtung Spoiler:

Diesmal dreht es sich um den sogenannten „Kampf gegen den Terror“ bzw. um die Folgen. Ein Terrorist soll in einer Geheimoperation gefangen genommen werden. Die Operation wird aber teilweise von einer privaten Söldnertruppe durchgeführt. Im Buch heißt es so schön, „das waren keine Profis, das waren Profiteure“.

Im weiteren Verlauf dreht es sich dann um die Frage, ob bei der Operation etwas schiefgegangen ist (na klar)  und wie das dann vertuscht werden soll. Ein besonderes Augenmerk fällt dann auf die — nicht zu letzt durch Labour-Regierung um Tony Blair — extrem verschärfte Gesetzgebung rings um solche Geheimoperationen.

Dieser Roman trifft genau ins Mark der immer weiter beschnittenen Bürgerrechte in den westlichen Demokartien. Das Buch liest sich gut, wenngleich man sich anfangs an den Schreibstil gewöhnen muss.

Salim Güler: Nächtenliebe

Bei Nächstenliebe von Salim Güler handelt es sich um einen „Kirchen-Mystery-Thriller“, wie so viele zur Zeit entstehen. Ich habe ihn kostenlos als Amazon Prime-Mitglied auf dem Kindle gelesen.

Vorneweg eine Warnung: Der Einstieg in diesen Roman ist sehr anstrengend. Hat man aber erst mal die ersten drei Viertel des Buches gelesen, packt es einen doch und man will wissen, wie es denn weitergeht. Doch vorher ist es einfach nur Arbeit: Zu viele Handlungsstränge, die man überhaupt nicht einordnen kann, verwirren den Leser zunächst. Zumal die Handlungsstänge sich teilweise kreuzen. Der Leser erkennt aber nicht, wieso.

Inhaltlich dreht es sich um — man muss schon sagen — mal wieder um ein Dokument, dass belegen soll, dass nicht Petrus derjenige ist, der nach dem Tode von Jesus die Kirche anführen sollte, sondern Maria Magdalena. In diesem Fall ist es ein Tagebuch von Maria Magdalena. Dieses Buch ist Ziel von mehreren Personen, die es ihre Hand haben wollen. Gleichzeitig wird daraus vorgelesen.

Inhaltlich liefert der Roman nichts Neues. Er ist einer von vielen. Von der Erzählweise ist er einfach zu sehr in die Länge gestreckt. Wie viel lesen will, soll den Roman lesen. Ansonsten ist er anfangs zu anstrengend.