Willkommen in der Bananen-Republik

Im Jahre 2000 schüttelte die halbe Welt den Kopfüber eine Präsidentschaftswahl, bei der Bruder des einen Kandidaten eine Neuauszählung der Stimmzettel stoppte. Sein bis dahin führender Bruder wurde daraufhin durch ein Gerichtsurteil de facto zum Präsidenten. Es handelte sich dabei nicht um ein latein-amerikanisches Land sondern die Wahl George W. Bushs zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika und die Rolle seines Bruders Jeb Bush als Gouverneur von Florida.

Bei uns in Deutschland kann so etwas nicht auftreten, sagte sich oder besser redete sich jeder hierzulande ein.

Doch liest man den Artikel Vorverurteilt aus der c't 22/06, so kommen einem die ersten Zweifel. Darin wird beschrieben, wie GVU als Interessenvertreter gleichzeitig als Sachverständiger auftritt. Die Staatsanwaltschaft hält dies für legitim. Schließlich hätte die öffentliche Hand nicht viel Geld, und die GVU würde ihre Gutachten kostenlos anbieten. Willkommen in der Bananenrepublik.

Liest man das Editorial der iX 11/06, so erfährt man, wie es denn ausschauen könnte, wenn denn wie vom Stabe der Bundesjustizministerin geplant "Hackertools" nicht mehr verbeitet werden dürfen.

Apropos Mitarbeiter in Ministerien. Sie sind in der Regel Beamte und sollten nicht "fremdgesteuert" sein. Aber wie MONITOR nun aufdeckte ist dies nicht so. Da stehen Beamte auf der Gehaltsliste der Fraport AG oder RWE und steuern gezielt die Gesetzgebung in die Richtung, die ihr Nebenverdienstherr gerne hätte. Auch hier nochmal der Hinweis: Es handelt sich hier um die Bundesrepublik Deutschland – steht BRD vielleicht für Bananenrepublik Deutschland?

Schaut man sich die Beschwerden einiger Parlamentarier an, weil sie ihre Nebeneinkünfte offenlegen müssen, wird einem schnell klar, dass es kaum noch unabhängige Politiker gibt. Friedrich Merz hat angebeblich 18 Nebentätigkeiten. Er muss ein Superman sein. Oder wie lässt es sich erklären, dass ich mit meinem Beruf soweit ausgelastet bin. Ich verdiene im Zweifel mit meinem Full-time-job weniger als er mit jeder einzelnen Nebentätigkeit. Wie kann er dies denn richtig und zur "vollsten Zufriedenheit" tun?

Dies hat alles nicht mehr allzu viel mit Computerei zu tun, die eigentlich das Thema dieses Blogs ist. Ursprünglich kam ich aber auf das Thema Bananenrepublik, als ich in der oben zitierten c't auch noch den Artikel über Wahlcomputer las. Wie kann das fundamentale System einer freien, gleichen und geheimen Wahl über normale Stimmzettel, die man beliebig oft auszählen kann, aus der Hand gegeben werden? Warum müssen auf "Teufel komm raus" Wahlcomputer eingesetzt werden? Hier schließt sich wieder der Kreis, wenn man sich fragt cui bono? Wir sind dann wieder beim Schluss-Gag des Buches Takeover von Fritjof Karnani, den ich schon mal zitiert habe.

 

 

 

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